Trichia decipiens
Was Sie wissen sollten
Trichia decipiens ist ein weltweit verbreiteter Pilz aus der Familie der Schleimpilze. Dieser ungewöhnliche orangefarbene bis rote Schleimorganismus gehört zum Stamm der Mycetozoa, zur Klasse der Myxomycetes, zur Ordnung der Trichiales und zur Familie der Trichiaceae. Häufig in feuchten Wäldern, an verrottenden Stämmen von Laub- und Nadelbäumen.
Wie alle Myxomicetes weist auch Trichia decipiens einen recht komplexen Lebens- und Fortpflanzungszyklus auf, in dem sowohl kernlose Phasen (Sporen und andere mobile Zellen) als auch mehrkernige (Plasmodium) auftreten.
In den milderen Jahreszeiten lebt Trichia decipiens in Zellen mit nur einem Zellkern und ernährt sich hauptsächlich von Bakterien, Hefen und Sporen anderer Pilze, die er phagozytiert, indem er sie mit Extroflexionen der Zellmembran verschlingt. Diese Zellen, die immer beweglich sind, können je nach Umweltbedingungen zwei Formen annehmen: Wenn die Luftfeuchtigkeit so hoch ist, dass sie schwimmen können, zeigen sie eine Geißelform (Planozyt oder Myxoflagellat genannt), während sie bei niedriger Luftfeuchtigkeit eine amöboide, kriechende Form (Myxamöbe) annehmen. Wenn sich die Luftfeuchtigkeit ändert, können sich beide Formen anpassen, indem sie sich in die jeweils andere Form umwandeln, können aber nicht lange Zeit eine Trockenheit überleben. In diesem Fall reduzieren sie ihre Aktivität und machen die Oberfläche starrer und wasserdichter, d.h. sie hüllen sich ein (weshalb sie auch Mikrozysten genannt werden), bis die Umweltbedingungen wieder akzeptabel sind.
Schleimpilze sind überall auf der Welt zu finden und ernähren sich von Mikroorganismen, die in jeder Art von abgestorbenem Pflanzenmaterial leben.
Andere Namen: Eier des Lachses.
Identifizierung
Beschreibung
Das Plasmodium ist weiß und zur Reifezeit orange bis rot. Die kleinen bis großen Ansammlungen von feinen, glänzend gelb-oliven bis olivgrünen oder braunen Fruchtkörpern sind meist gestielt, selten sessile Sporangien. Sie sind kegel- bis birnenförmig, bis zu 3 Millimeter lang und messen 0.6 bis 0.8, selten bis zu 1.3 Millimeter im Durchmesser. Der Hypothallus ist verbreitert, glänzend farblos bis braun und häutig. Der zylindrische Schaft ist faltig, an der Basis dunkelbraun, nach oben hin heller werdend, und mit bis zu 1 Millimeter langen, sporenartigen Bläschen gefüllt. Das feste oder häutige Peridium ist gelb, mit dünnen Körpern oft durchscheinend, aber verdickt und unten als tiefer, flacher und rudimentärer Calyculus überdauernd. Das olivgrüne bis olivgelbe Kapillitium besteht aus nicht ausgewachsenen, einfachen oder verzweigten, tief olivgelben, 5 bis 6 Mikrometer dicken Elateren, die als drei bis fünf abstehende Spiralstränge reliefiert sind und zu den Enden hin spitz zulaufen. Die Sporenmasse ist olivgelb bis olivbraun im Durchlicht blass olivgelb, gelegentlich mit einem noch blasseren Abschnitt. Die Sporen haben einen Durchmesser von 10 bis 13 Mikrometern, sie haben meist eine netzartige Oberfläche, die übrige Oberfläche ist dicht warzig oder stachelig.
Stiel
Anfänglich weiß-transluzent, im Inneren sind einige körnige Strukturen gut sichtbar, während das Sporangium von unterschiedlicher Farbe ist, bräunlich bis glänzend orange. Das Sporangium hat eine häutige, gelblich-transluzente Außenschicht, das Peridium, das mit zunehmendem Alter bräunlich-gelblich wird und im Inneren eine große Anzahl von Zellkernen trägt.
Lebensraum
Die Art ist weltweit verbreitet. Man findet ihn das ganze Jahr über an totem Holz von Nadel- und Laubbäumen.
Taxonomie und Etymologie
Trichia decipiens wurde erstmals 1795 von Christiaan Hendrik Persoon als Arcyria decipiens beschrieben, basierend auf einer Sammlung von 1778 aus einem Wald in Chemnitz. Macbride ordnete die Art 1899 neu in die Gattung Trichia ein.
Der Name der Gattung Trichia leitet sich vom griechischen Substantiv "θρίξ, τριχός" (thrix, trichós) = Haar, Borste ab und bezieht sich auf das Kapillitium, das die birnenförmigen Fortpflanzungsorgane freilegt, während der Name der Art, decipiens, vom lateinischen Verb "decipere" = täuschen, in die Irre führen stammt.
Synonyme
Arcyria decipiens Pers. (1795)
Trichia fallax Pers. (1796)
Trichia fallax var. dilutior Alb. & Schwein. (1805)
Trichia fallax f. cerina (Ditmar) Rostaf. (1875)
Trichia fallax var. cerina (Ditmar) Berl. (1888)
Trichia fallax f. kleiner Rostaf. (1875)
Trichia fallax var. minor (Rostaf.) Berl. (1888)
Trichia fallax var. gracilis Meyl. (1910)
Trichia decipiens var. gracilis (Meyl.) Meyl. (1933)
Trichia decipiens f. rubiformis Meyl. (1913)
Trichia decipiens var. hemitrichoides Brândza (1914);
Lycoperdon pusillum Hedw. (1780)
Trichia pusilla (Hedw.) G.W. Martin (1949)
Trichia virescens Schumach. (1803)
Trichia cerina Ditmar (1814)
Trichia fulva Purton (1821)
Trichia furcata Wigand (1863)
Trichia nana Zukal (1886)
Trichia stuhlmannii Eichelb. (1907)
Trichia fernbankensis Frederick, R. Simons & I.L. Roth (1984)
Quellen:
Foto 1 - Autor: Eileen Laidlaw (Gemeingut)
Foto 2 - Autor: Peta McDonald (Gemeingut)
Foto 3 - Autor: ahaukka (gemeinfrei)
Foto 4 - Autor: Quinten Wiegersma (CC BY 4.0 International)
Foto 5 - Autor: Bruce Taylor (CC BY 4.0 International)





